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Terrorismus und Extremismus

GZ 33.466/317-V/B/95
Sachbearbeiterin: GL MRin Mag. Elisabeth Morawek
Tel.: 0222/531 20-2540
Fax: 0222/531 20-2599

Rundschreiben Nr. 47/1995

Verteiler: VII, N
Sachgebiet: Unterrichtsprinzipien
Inhalt: Politische Bildung; Terrorismus und Extremismus
Geltung: unbefristet

An
die Landesschulräte
den Stadtschulrat für Wien
die Zentrallehranstalten
die Pädagogischen und Berufspädagogischen Akademien
die Pädagogischen Institute

Terrorismus und Extremismus

Sehr geehrte Damen und Herren!

Dieses Rundschreiben stellt die - aus Anlaß der jüngsten Ereignisse - erforderliche Ergänzung zum Grundsatzerlaß "Politische Bildung in der Schule" (Rundschreiben Nr. 15/1994, GZ 33.466/103-V/4a/94 vom 9. März 1994) dar.

Die terroristischen Bombenanschläge in Österreich machen eine Auseinandersetzung mit Ursachen und Folgen eines mörderischen, gewalttätigen Extremismus als Thema in den Schulen notwendig. Es ist uns ein besonderes Anliegen, im gemeinsamen Bemühen mit allen Lehrerinnen und Lehrern die Jugend über die mit gewalttätigem Extremismus verbundenen Gefahren für unsere Demokratie zu informieren. Junge Menschen sollen darin bestärkt werden, gegen jedweden Extremismus, von welcher Seite auch immer, einzutreten und so zum Gelingen eines von gegenseitiger Achtung getragenen Zusammenlebens beizutragen.

Politische Bildung hat den Auftrag, einen aktiven Beitrag zu einem demokratisch fundierten Österreichbewußtsein, zu einem gesamteuropäischen Denken und zu einer Weltoffenheit, die vom Verständnis für die existentiellen Probleme in der ganzen Welt getragen ist, zu leisten.

Dieser Auftrag umfaßt neben der Vermittlung von Wissen und Kenntnissen die Fähigkeit zur Bildung von kritischen Urteilen über politische und gesellschaftliche Zusammenhänge und davon ausgehend die Entwicklung der Bereitschaft jedes einzelnen Menschen, seine persönliche Aufgabe bei der politisch verantwortungsbewußten Gestaltung unserer Gesellschaft wahrzunehmen.

Es erscheint uns besonders wichtig, demokratische Bildung, menschenwürdigen Umgang mit Anderen, Bekämpfung von Vorurteilen etc. an allen Schulen als Unterrichtsprinzip zu behandeln. Besonders regen wir an, in den Gegenständen Deutsch, Fremdsprachen, Geschichte, Sozialkunde, Geographie, Wirtschaftskunde, Rechtskunde, Politische Bildung, Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Religion sowie Bildnerische und Musische Erziehung auf diese Themenbereiche einzugehen und die Bedeutung der Thematik durch Unterrichtsprojekte, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Medienprojekte, Theateraufführungen, Exkursionen, weltweite Schulpartnerschaften etc. zu betonen.

Wir denken mit Ihnen übereinzustimmen, daß es nicht nur um punktuelle Maßnahmen gehen kann, sondern die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich in allen Pflichtgegenständen informiert werden und langfristig an diesen Themen arbeiten, um sie zu einer weltoffenen und demokratischen Grundeinstellung und Handlungskompetenz zu führen.

Themenvorschläge:

Demokratie als Ordnungsprinzip einer Gesellschaft, in der unterschiedliche Interessen und Wertvorstellungen wirksam sind, und das die Mitwirkung aller BürgerInnen am politischen Geschehen anstrebt:

  • Bildung von unterschiedlichen Interessensgruppen in der Gesellschaft
  • Demokratische Formen der Austragung von Konflikten zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen
  • Wertbildung und Wertorientierung in der Gesellschaft
  • Rollenaufteilung von Mehrheit und Minderheit in den demokratischen Organen, insbesondere im Parlament
  • Kontrolle und Selbstkontrolle der politischen Verantwortungsträger
  • Mitwirkungsmöglichkeiten der BürgerInnen am politischen Geschehen
  • Demokratie und Medien

Demokratie, die die Grundsätze der Menschenrechte anerkennt, trägt auch Verantwortung gegenüber Benachteiligten und Minderheiten:

  • Grundsätze der Menschenrechte
  • Wahrung der Menschenrechte für Minderheiten
  • Minderheiten in der Geschichte Österreichs
  • Aktuelle Fragen und Problemstellungen zu "neuen" Minderheiten in Österreich

Ursachen und Gefahren von Vorurteilen (z.B. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit) sowie ihre Auswirkungen auf die wissenschaftliche Forschung bis hin zum alltäglichen Bewußtsein:

  • Geschichte des Rassismus und Biologismus in der Wissenschaft
  • Ursachen der Entstehung von Vorurteilen und Stereotypen und ihr "Nutzen" (Politische Funktion)
  • Historische Traditionen von Vorurteilen
  • Vorurteile in der Medienberichterstattung
  • Möglichkeiten des Abbaus von Vorurteilen

Ursachen und Folgen internationaler politischer, ökonomischer und ökologischer

Verflechtungen:

  • Auswirkungen heutiger weltweiter Migration
  • Historische und gegenwärtige Verbindungen zu anderen Kulturen
  • Kennenlernen anderer Kulturen und Traditionen
  • Weltweite Medienkommunikation und Medienverflechtungen

Zur Unterstützung Ihrer Bemühungen steht Ihnen die

Servicestelle Politische Bildung
des Bundesministeriums für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten
c/o Mayerhofgasse 6/3. Stock
1040 Wien
Tel.: 0222/504 68 58
Bürozeiten: Mo - Do 14 bis 17 Uhr

für Informationen über ReferentInnen und Medien zur Verfügung.

Des weiteren weisen wir auf die Veranstaltungen zum gegenständlichen Themenkreis der Pädagogischen Institute sowie des Hochschullehrganges für Politische Bildung hin.

Wien, 21. Juni 1995

Die Bundesministerin:
Gehrer

Zugeordnete/s Sachgebiet/e

Unterrichtsprinzipien